Auch wenn der berüchtigte Stinkefinger seltener als früher zu sehen ist: Beleidigungen auf Deutschlands Straßen – seien es Gesten oder Wörter – gelten als Übel, mit denen die Gerichte regelmäßig zu tun haben. Denn entgegen der Meinung vieler handelt es sich definitiv nicht um Kavaliersdelikte, sondern um Straftaten. Jeder sollte daran denken, dass er durch sein Kennzeichen stets eindeutig identifizierbar ist und eine Strafanzeige geschwind im Briefkasten liegen kann.

Sowohl Fahrzeugführer mit eher ruhigem Temperament als auch schnell Aufbrausende verlieren ihre Haltung, wenn andere sie nötigen, schneiden oder ihnen die Vorfahrt nehmen. Schließlich sorgt das Verkehrsaufkommen auf deutschen Straßen häufig für Stress, einen erhöhten Adrenalinspiegel und damit für ein angegriffenes Nervenkostüm. Ein nichtiger Anlass reicht damit oft aus, um zwei gegnerische Verkehrsteilnehmer vors Gericht zu bringen. Haben beide Streithähne ordentlich ausgeteilt, so ist natürlich eine objektive Beurteilung schwierig – das Verfahren wird in solchen Fällen nicht selten eingestellt.

Liegt die Hauptlast einer Beleidigung dagegen bei nur einer Partei, so muss diese sich dafür natürlich verantworten. Im besten Fall kommt der Angeklagte mit der Zahlung einer Geldstrafe an eine gemeinnützige Organisation davon, im schlechtesten Fall kassiert er eine Verurteilung. Dabei gibt es keine festen Regelsätze wie etwa bei Verkehrsverstößen. Die Höhe der Strafe wird je nach Tatumständen an Tagessätzen bemessen, die sich an der wirtschaftlichen Situation des Verurteilten orientieren.

So kann ein „Witzbold“ 300 Euro, ein „Zu dumm zum Schreiben“ 450 Euro und ein „Trottel in Uniform“ schon 1.500 Euro kosten. Ganz oben auf der Liste stehen „Fieses Miststück“ und „Alte Sau“ mit jeweils 2.500 Euro. Bei den Gesten ist es ähnlich: Zunge rausstrecken kostet nach aktueller Rechtsprechung zwischen 150 und 300 Euro, einen Vogel zeigen circa 750 Euro, mit der Hand vor dem Gesicht wedeln (Scheibenwischer) 350 bis 1.000 Euro. Zeigt man den Mittelfinger, so ist man je nach Einkommen bei 600 bis sogar 4.000 Euro dabei.