RatgeberBei vielen Fahrzeughaltern wird ein Thema gedanklich ganz weit weg geschoben: der Unfall. Dabei kann er mit oder ohne Eigenverschulden schnell passieren und dann ist guter Rat teuer. Wie muss man sich nach einem Unfall verhalten? Wann ruft man die Polizei? Was genau ist eigentlich Fahrerflucht?
Diesen und anderen Fragen widmet sich der neue Unfallratgeber „Für den Ernstfall vorbereitet. Mit Checkliste und Unfallprotokoll, sowie Wissenswertes zu den Themen Erste Hilfe und Fahrerflucht“ des Verbands für bürgernahe Verkehrspolitik. Interessierte finden den Ratgeber als kostenfreien Download hier.

italian sign with plantsSommerzeit ist Reisezeit. Viele Deutsche verbringen ihren Urlaub im europäischen Ausland und fahren entweder mit dem eigenen Auto dorthin oder mieten sich vor Ort ein Fahrzeug, um die Gegend zu erkunden. Bei sämtlichen Fahrten ist jedoch Obacht geboten, da in den einzelnen Ländern oftmals andere Verkehrsregeln gelten als in Deutschland. Vor Reiseantritt sollten Autofahrer sich unbedingt über die jeweiligen Gegebenheiten in den Urlaubsländern informieren. Insbesondere bei den Tempolimits gibt es keine einheitlichen Regelungen und es drohen oftmals hohe Geldbußen bei Nichteinhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen.

In den meisten europäischen Ländern ist innerorts die Geschwindigkeit wie in Deutschland auf 50 km/h begrenzt. Ausnahmen sind Großbritannien, wo die maximale Höchstgeschwindigkeit 48 km/h (30 mp/h) beträgt, und Mazedonien. Dort variiert die maximale Geschwindigkeit innerorts zwischen 40 und 60 km/h. In Polen sind nachts von 23 bis 5 Uhr sogar 60 km/h erlaubt.

Außerorts bewegt sich die Geschwindigkeitsbegrenzung in Europa zwischen 80 und 90 km/h. Finnland und Österreich erlauben 100 km/h. Für extra ausgewiesene, vierspurige Schnellstraßen gelten Sonderregelungen; je nach Land dürfen sie mit 110 bzw. 120 km/h befahren werden. Im Schnitt darf die Tachonadel auf den meisten europäischen Autobahnen 130 km/h anzeigen. In Norwegen müssen sich die Autofahrer etwas bremsen, dort sind nur 100 km/h erlaubt; auf Schwedens Schildern stehen entweder 110 oder 120 km/h als Höchstgeschwindigkeit. Polen liegt sogar über dem Durchschnitt, dort sind 140 km/h erlaubt.

Police Motorcycle Cop MirrorTemposünder werden im europäischen Ausland teilweise erheblich zur Kasse gebeten. In Italien beispielsweise werden für Geschwindigkeitsüberschreitungen nachts zwischen 22 und 7 Uhr um ein Drittel höhere Bußgelder erhoben. Auch in Skandinavien, insbesondere Norwegen, werden Verstöße streng geahndet. Dort müssen Raser mit einem Bußgeld von mindestens 465 Euro rechnen. Ebenfalls interessant zu wissen ist, dass sich die Bußgelder in manchen Ländern erheblich erhöhen, wenn sie nicht umgehend bezahlt werden. Zudem ist im Oktober 2010 das sogenannte Vollstreckungsabkommen in Kraft getreten: Seitdem können nicht bezahlte Bußgelder aus den anderen 26 EU-Ländern auch hierzulande vollstreckt werden. Dafür muss das Bußgeld inklusive Verfahrensgebühren mindestens 70 Euro betragen.

Nach einem Unfall kommt es auf jede Sekunde an. Doch häufig müssen sich Helfer viel länger durch den stockenden Verkehr und den bereits entstandenen Stau kämpfen als nötig. Der Grund? Vielen Autofahrern ist nicht bewusst, dass sie bei Stau eine Rettungsgasse für Polizei, Feuerwehr oder Notarzt bilden müssen.

Unfall auf der A 46. Ein Notarzt-Wagen bahnt sich den Weg durch den Stau. Bildquelle: ADAC e.V.

Unfall auf der A 46. Ein Notarzt-Wagen bahnt sich den Weg durch den Stau. Bildquelle: ADAC e.V.

Eine funktionierende Rettungsgasse kann nur entstehen, wenn alle Kraftfahrer an einem Strang ziehen, die Vorschriften einhalten und ein Bewusstsein für die Situation entwickeln. So kann jeder Autofahrer dazu beitragen, schnelle Hilfe zu ermöglichen und die Überlebenschance von Unfallopfern zu erhöhen. Bereits bei stockendem Verkehr muss eine Rettungsgasse gebildet und offen gehalten werden. Wenn die Fahrzeuge bereits dicht auf dicht stehen, was im Falle eines Staus häufig vorkommt, ist es nicht mehr möglich, den Einsatzfahrzeugen rechtzeitig Platz zu schaffen. Der Standstreifen ist für Einsatzfahrzeuge übrigens ungeeignet: Da er nicht überall durchgehend ausgebaut ist und auch Pannenfahrzeuge den Weg versperren können, ist die Bildung einer Rettungsgasse von entscheidender Bedeutung.

Befahren werden darf die Rettungsgasse ausschließlich von Rettungs- und Hilfsfahrzeugen. Dazu zählen: Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei, Krankenwagen, Abschlepp- und Pannendienstfahrzeuge. Allen anderen Kraftfahrern ist die Durchfahrt untersagt, die Nichtbeachtung wird mit einem Bußgeld geahndet. Sobald Fahrzeuge mit Sondersignalen gehört oder gesehen werden, sollten Autofahrer laut ADAC folgende Anweisungen befolgen:

  • Die Geschwindigkeit verringern
  • im Zweifelsfall anhalten, aber das Fahrzeug möglichst parallel zur Fahrtrichtung ausrichten, damit das Heck des Fahrzeugs nicht in die Rettungsgasse hineinragt
  • den Blinker setzen, um den Verkehrsteilnehmern und Rettungsfahrzeugen mitzuteilen, zu welcher Seite man ausweichen möchte
  • ausreichend Abstand zum Vordermann einhalten
  • die Standspur, wenn möglich, frei halten
  • unbedingt die Rettungsgasse offen halten – häufig folgen weitere Rettungs- und Einsatzfahrzeuge

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Der ADAC weist übrigens darauf hin, dass alle Autofahrer, die gegen das Gebot der Rettungsgasse verstoßen, mit einem Bußgeld von mindestens 20 Euro rechnen müssen.

In diesen Tagen beginnt für viele Schulanfänger der Ernst des Lebens. Doch nicht nur in der Schule erleben sie eine gänzlich neue Welt. Viele nehmen erstmals aktiv am Straßenverkehr teil. Und gerade dort lauern zahlreiche Gefahren auf die ABC-Schützen. So schätzen sie Situationen oft falsch ein und wechseln unbedarft die Straßenseite, ohne auf den Verkehr zu achten. Zudem haben Kinder eine zwei- bis dreifach längere Reaktionszeit als Erwachsene und lassen sich leicht ablenken. Da scheint der Ball, der über die Straße rollt, zuweilen interessanter für die Kleinen als ein heranfahrender Pkw.

Autofahrer können das Gefahrenpotenzial aber entschärfen, indem sie ihren Fahrstil entsprechend anpassen. Das heißt: Fuß vom Gas nehmen und immer bremsbereit sein. Gerade während der Hol- und Bringzeiten frühmorgens und mittags ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten. Fährt der Schulbus mit eingeschaltetem Warnblinklicht zur Haltestelle, dürfen die Autofahrer auf keinen Fall überholen. Ist der Bus dann zum Stehen gekommen, kann man im Schritttempo langsam vorbeifahren.

Aber auch die Eltern können ihren Schützlingen helfen, den Schulweg sicher zu meistern. Sie sollten mit den Kindern die Strecke vor dem ersten Schultag ablaufen, so sind die Kleinen bereits mit dem Weg vertraut. Hier gilt: Sicherheit vor Schnelligkeit. Kinder sollten besser wenige Minuten länger laufen und dafür viel befahrene Straßen meiden. Empfehlenswert ist es darüber hinaus, dem eigenen Kind die Verkehrsregeln zu erklären und es auf mögliche Gefahren hinzuweisen. Damit die Autofahrer die jungen Verkehrsteilnehmer auch in der dunklen Jahreszeit sofort erkennen, sollten die Schüler helle Kleidung mit Lichtreflektoren tragen. Das gilt auch für Kinder, die schon in der ersten Klasse mit dem – selbstverständlich verkehrssicheren – Fahrrad zur Schule fahren. In dem Fall sollte natürlich auch ein Helm vor bösen Verletzungen schützen. Bringen Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule, sollten die Kleinen immer auf einem für ihre Größe passenden Kindersitz Platz nehmen.

Und entscheidend ist: Eltern und Autofahrer sind gleichermaßen Vorbilder für die Schulstarter. Wenn sie sich verantwortungsbewusst verhalten und ein gutes Beispiel geben, hat das auch positive Auswirkungen auf die jungen Verkehrsteilnehmer. Dann steht einem guten und vor allem sicheren Schulstart nichts mehr im Wege.

Wer heute zu Fuß beziehungsweise mit dem Fahrrad oder Auto auf unseren Straßen unterwegs ist, kann sich kaum vorstellen, wie es vor 100 Jahren ohne Ampeln, Fahrbahnmarkierungen oder Beschilderung war. Heute scheint der Verkehr fast überreguliert zu sein, doch 1907 war zum Beispiel das Risiko, bei Unfällen im Straßenverkehr zu sterben, in Relation zum Kfz-Bestand 62 Mal so hoch wie heute. Die seitdem ergriffenen Maßnahmen erreichten also mittel- und langfristig eindeutig ihr Ziel.

Ein paar Zahlen sollen diese Bemühungen verdeutlichen: So erließ der deutsche Kaiser 1909 ein erstes Kraftfahrgesetz für das Deutsche Reich, das innerorts ein Tempolimit von 15 km/h vorschrieb. Fast zeitgleich, nämlich 1910, wurde in den USA ein Eignungstest für angehende Straßenbahnfahrer etabliert, die am 5. August 1914 aufgestellte Lichtsignalanlage in Cleveland gilt als erste reguläre Verkehrsampel der Welt.Wie sehr die Kfz-Mobilität noch in den Anfängen steckte, sieht man allerdings daran, das erst 1921 rudimentäre Fahrbahnmarkierungen zur Entschärfung eines Unfallschwerpunktes in einer englischen Kleinstadt getestet wurden. Und erst Anfang der 1920er Jahre wurden die ersten dreifarbigen Ampeln in New York City, Detroit, Paris und Hamburg installiert.

Es dauerte sogar bis 1934, bis in Deutschland die räumliche Trennung zwischen Fußgängern und Fahrzeugen vollzogen war. Dies war aber auch nötig, da die neue Reichsstraßenverkehrsordnung alle Tempolimits aufhob und Motorfahrzeuge bis 200 cm³ von jedermann ab 16 Jahren führerscheinfrei gefahren werden durften.

1949 war ein bedeutendes Jahr für die Vereinheitlichung der Straßenverkehrsregeln, denn in Genf fand die Konferenz der Vereinten Nationen über Straßen- und Automobilverkehr statt. Sie endete mit einem Abkommen über den Straßenverkehr und Straßenverkehrszeichen und enthielt die Idee des inzwischen nicht mehr wegzudenkenden Zebrastreifens. Aber erst 1953 wurden Straßenmarkierungen verbindlich und ab 1960 erhielten Autobahnen Mittelleitplanken.

Zahlreiche Studien in verschiedenen europäischen Ländern und der USA sorgten darüber hinaus dafür, dass im Laufe der letzten Jahrzehnte weitere Vorschriften den Straßenverkehr sicherer machten: 1970 wurden Warnblinkanlagen Pflicht, 1973 wurde die 0,8-Promille-Grenze eingeführt, seit 1976 gilt die Anschnallpflicht auf Vordersitzen.

Was uns heute also als selbstverständlich erscheint, ist ein langsamer Prozess im Laufe der vergangenen 100 Jahre gewesen. 3.700 deutsche Verkehrstote im Jahr 2012 gegenüber 8.000 Verkehrstoten im Jahr 1938 bei ungleich mehr Fahrzeugen sprechen eine deutliche Sprache.